Grüßen gehört nicht zu den arbeitsvertraglichen Pflichten

 
Der Ausspruch einer Kündigung durch den Arbeitgeber soll immer nur als letztes Mittel angewandt werden, um auf ein Fehlverhalten eines Arbeitnehmers zu reagieren. Viele Betriebsinhaber scheinen sich jedoch nicht um diesen von der Rechtsprechung entwickelten Grundsatz zum Arbeitnehmerschutz zu kümmern. Sicherlich haben Sie als Betriebsrat in Ihrem Betrieb schon ähnliche Erfahrungen mit vorschnell ausgesprochenen Kündigungen gegenüber Kollegen gemacht. Dass nicht jeder Grund eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen kann, musste ein Arbeitgeber durch eine arbeitnehmerfreundliche Entscheidung erfahren.

Arbeitnehmer müssen Ihren Chef nicht grüßen 




Ein Arbeitnehmer war als Außendienstmitarbeiter in einem Unternehmen beschäftigt, das Bäckereimaschinen herstellt. Nachdem der Geschäftsführer ihm mitgeteilt hatte, dass er ihn entlassen wolle, grüßte der Arbeitnehmer den Geschäftsführer bei zwei Gelegenheiten außerhalb des Betriebs nicht. Daraufhinerhielt er die Kündigung, die der Arbeitgeber damit begründete, der Arbeitnehmer habe ihn vor anderen Personen dadurch mit Missachtung gestraft, dass er ihn nicht gegrüßt habe. Zudem beantragte der Arbeitgeber die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nach § 9 Abs. 1 KSchG (Kündigungsschutzgesetz), da eine den Betriebszwecken dienliche weitere Zusammenarbeit nicht zu erwarten sei.




Das Gericht folgte der Argumentation des Arbeitgebers nicht und gab dem Arbeitnehmer Recht. Die Verweigerung des Grußes als außerdienstliches Verhalten genüge nicht als Kündigungsgrund. Auch der Auflösungsantrag des Arbeitgebers sei nicht begründet, denn lediglich das Nichtgrüßen eines Vorgesetztenließe nicht den Schluss zu, dass eine weitere Zusammenarbeit unzumutbar sei.

LAG Köln, Urteil vom 29.11.2005, Az.: 9 (7) Sa 657/05


Nur grobe Beleidigung rechtfertigt sofortige Kündigung



Das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln hat sich in diesem Fall eindeutig auf die Seite der Arbeitnehmer gestellt.

 
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